Pferde-Sattel
Pferde-Sattel
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Kundinnen und Kunden gelangen sehr häufig mit dem Wunsch nach einer bestimmten Kammerweite an uns. Auch bei der Online-Sattelsuche fokussieren viele Reiter und Reiterinnen auf eine bestimmte Kammerweite. In der täglichen Arbeit zeigt sich indessen, dass es im Zusammenhang mit der Kammerweite von Pferde-Sättel zu verschiedenen Missverständnissen kommt, die wir im Folgenden etwas lichten möchten.
Kammerweite oder Ortsweite?
Viele Pferde-Menschen sprechen, wenn sie sich zur Breite eines Sattels austauschen, von der Kammerweite. Die Kammerweite beschreibt indessen nur, wie viel Platz der Sattel seitlich des Widerristes bietet. Was bei der umgangssprachlichen Verwendung der «Kammerweite» eigentlich gemeint ist, ist die Ortsweite. Die Ortsweite beschreibt, wie viel Platz zwischen den Enden des Kopfeisens zur Verfügung steht. Die Ortsweite sowie die Winkelung des Kopfeisen ist, was beschreibt, ob bzw. wie viel Platz das Pferd an der Schulterpartie hat und ob der Sattel in diesem Bereich funktional am Pferd sitzt. Wenn von der Kammerweite gesprochen wird, erfolgt dies mit anderen Worten häufig im falschen Kontext. Umgangssprachlich hat sich der Begriff "Kammerweite" indessen so im Sprachgebrauch im Sinne von "Breite des Sattels" eingeprägt, dass es auch nicht falsch ist, den Begriff weiterhin zu verwenden, weil er allgemeinhin eben doch verstanden wird.
Kammerweite und Ortsweite messen
Die Kammerweite meint den Abstand zwischen den beiden Sattelkissen im Bereich des Sattelkopfes. Dieses Mass kann mithilfe eines Metermass/Lineal/Zollstock bestimmt werden.
Die Ortsweite bedeutet den Abstand zwischen den Ortsenden bzw. Ortsspitzen, also den Enden des Kopfeisens. Die Ortsenden können durch Ertasten am Sattel relativ einfach bestimmt werden. Oft liegen diese in einer gut sichtbaren Tasche, welche unter dem Sattelblatt sichtbar ist. Gemessen wird tatsächlich zwischen den Ortsenden und nicht von Sattelpolster zu Sattelpolster. Am einfachsten gelingt dies mit einem Stück Draht, mit welchem die Kopfeisen-Form am Sattel nachgebildet wird. Anschliessend kann einfach mit einem Metermass/Lineal/Zollstock das Mass zwischen den Ortsenden abgelesen werden.
Kammerweite messen
Ortsweite messen
Vergleichbarkeit
Die Vergleichbarkeit von Kammer- bzw. Ortsweite ist beschränkt. Grund hierfür ist, dass beinahe jeder Hersteller sein eigenes Kopfeisen verwendet. Form und Länge der Kopfeisen variieren damit von Hersteller zu Hersteller. Da die Ortsweite aber von Ende zu Ende des Kopfeisen gemessen wird, liegt auf der Hand, dass bei unterschiedlichen Kopfeisen-Längen auch das Mass der Ortsweite auseinandergeht. Mit anderen Worten ist eine Vergleichbarkeit der Angaben zur Ortsweite oft nur innerhalb der Produktlinie des gleichen Herstellers gegeben. Oder anders: eine Ortsweite von 30cm bedeutet zwar beim Hersteller "X" die gleiche "Breite" des Sattels. Beim Hersteller "Y" kann ein Sattel mit Ortsweite 30cm aber breiter, beim Hersteller "Z" schmaler sein.
Veränderbarkeit
Kammer- wie auch Ortsweite können bis zu einem gewissen Grad durch den Sattler/die Sattlerin verändert werden. Die Kammerweite (also die Distanz zwischen den Sattelpolster am Sattelkopf), kann etwa durch das Herabsetzen der Sattelkissen/Sattelpolster verändert werden. Eine beidseitige Veränderung von nur wenigen Centimetern können hier oft schon bedeutende Effekte mit sich bringen und dem Pferd mehr Platz geben.
Bei den meisten Herstellern kann sodann auch das Kopfeisen durch den Sattler oder die Sattlerin geweitet oder verengt werden. Veränderungen sind im Bereich von bis zu 1 - 1.5 Centimeter möglich - ausgehend vom Ursprungsmass. Grössere Veränderungen wären zwar technisch machbar, das Kopfeisen wird hierdurch aber instabil und verliert an Qualität.
Kammer-/Ortsweite: Quo vadis
Beim Sattelkauf können Kammer- und Ortsweite gute Anhaltspunkte für die Passform eines Sattels geben. Da indessen die Vergleichbarkeit zwischen den Herstellern nicht gegeben ist, und weil auch die Form und individuelle Ausführung bei der Sattel-Herstellung massgeblich die Passform beeinflussen, führt letztlich kein Weg daran vorbei, den Sattel bzw. verschiedene Sättel auf dem Pferd auszuprobieren.
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